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Kitzrettung mit Drohnen

 

Jedes Jahr sterben zahlreiche Rehkitze bei der ersten Grünlandmahd. Die Geburt der Rehkitze im Frühsommer fällt in dieselbe Zeit, in der die Landwirte zum ersten Mal ihre Wiesen mähen. Die Ricken/Geißen legen in dieser Zeit ihre frisch geborenen Kitze an vermeintlich geschützter Stelle, z. B. im hohen Gras einer Wiese, ab. Droht Gefahr, verharren die Kitze instinktiv tief geduckt und reglos auf dem Boden anstatt zu fliehen. Da sie dadurch nicht erkannt werden können, werden sie durch Mähmaschinen häufig schwer verletzt oder getötet. Durch „vermähte“ Rehkitze wird der Grünschnitt der betroffenen Fläche unbrauchbar. Die Kitze vor schweren Verletzungen oder gar Tod zu bewahren ist das Ziel der Kitzrettung.

Einsatzverfahren

 

Für die Kitzrettung kommt eine wärmebildtragende Yuneec H520 zum Einsatz, mit der die Grasflächen, die am selben Tag gemäht werden sollten, zur Suche nach Kitzen möglichst in den frühen Morgenstunden abgeflogen werden.

Zur erweiterten Ausrüstung gehören ein zusätzlicher Monitor, auf dem die Wärmebilder genauer als auf der Fernbedienung der Drohne analysiert werden können, und Funkgeräte zur Einweisung des jagdlichen Helfers.

Mit der Wärmebildkamera der Drohne können durch die Temperaturdifferenz zwischen Boden und der Felloberfläche die Kitze identifiziert werden. 

Bei Flügen im bergigen Gelände sind besondere Anforderungen durch die Drohnenflieger zu bewältigen, da sie wegen der optischen Auflösung der Wärmebildkamera relativ nah am Boden (max. 15 -20 m) fliegen müssen und Gefahr laufen, mit schwer erkennbaren Hindernissen zu kollidieren.

Team

Das Einsatzteam setzt sich aus dem Flugteam, das im Regelfall aus dem Drohnenpiloten und einem Bildauswerter besteht, und jagdlichen Helfern zusammen.

Heinz-Dieter Meier  ist mit 6000h Flugerfahrung als Hubschrauberpilot und Fluglehrer für die Bundespolizei und im Luftrettungsdienst für die Flugsteuerung verantwortlich. 

Andrea Meier engagiert sich seit vielen Jahren für den Tierschutz und im Jagdwesen. Sie übernimmt die Bildauswertung und koordiniert die Maßnahmen mit den jagdlichen Helfern.

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Unterstützung

 

Das Kitzrettungsteam wird in Südtirol und München durch Vereine und Unternehmen unterstützt.

Projekt Kitzrettung in Südtirol 2019

 

Die Erfahrungen eines Wildretter-Forschungsprojektes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und anderer Kitzretter nutzend erprobte die amotys consult GmbH in Zusammenarbeit mit dem Jagdrevier Naturns in der ersten Mähsaison 2019 im Bereich des Jagdrevieres Naturns das Auffinden von Rehkitzen mit einer Drohne.

Mehr als 20 Rehkitze konnten während des Projektes vor Verletzungen oder Tod durch Mähaktionen bewahrt werden.

 

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Team Südtirol

 

Heinz-Dieter und Andrea Meier bildeten das Flugteam und waren für die Suche nach den Rehkitzen verantwortlich. Heinz-Dieter Meier musste für dieses Projekt in Südtirol zuvor einen italienischen Drohnenführerschein erwerben. Andrea Meier übernahm die Bildauswertung und koordinierte die Maßnahmen mit dem beigestellten Jäger im Team.

Daniel Kofler ist der Jagdaufseher des Jagdreviers Naturns und unterstützte das Flugteam bei der Lagebeurteilung des Suchraumes. Er übernahm die Abstimmungen mit den Bergbauern und war  für die Sicherung der aufgefundenen Rehkitze verantwortlich. Der Revierleiter Florian Haller hatte den Jagdaufseher für die Projektzeit abgestellt.

Basis

Ausgangsbasis für das Kitz-Rettungsprojekt war der Pirchhof www.pirchhof.it – ein Bergbauernhof auf 1445m Höhe, 8km oberhalb von Naturns am Meraner Höhenweg. Dort oben sind alle Voraussetzungen für eine optimale Vorbereitung der Sucheinsätze vorhanden. Frische Bergluft, eine wunderschöne Aussicht und ausgezeichnetes Essen sorgen für die notwendige Entspannung vor und nach den Einsätzen.

Projektverlauf

Ab dem 19. Mai 2019 befand sich das Team auf dem Pirchhof in Südtirol und bereitet die Einsätze mit dem Jagdrevier Naturns und den beteiligten Bauern vor. Die Mähsaison verschob sich wegen des kalten Wetters um fast zwei Wochen. 

Diese Zeit nutzten die Kitzretter für intensive Vorbereitung und Einsatzübungen zur Einweisung in die Sicherheitsbestimmungen und zum Training der Zusammenarbeit zwischen Flugteam und Jägern. Bei der „Generalprobe“ in einer Obstplantage im Beisein des Jagdrevierleiters von Naturns, Florian Haller, fand sich überraschend das erste Kitz, das so vor Schaden durch die durchfahrenden Traktoren bewahrt werden konnte.

Ab dem 8. Juni 2019 gingen die ersten Anforderungen der Bergbauern ein. Fast jeden Tag bis zum 14. Juni 2019 stand das Rettungsteam morgens ab 04:30 Uhr an der ersten Wiese und beendete die Suche erst in der Mittagszeit, wenn durch die starke Bodenerwärmung auch auf den nach Westen ausgerichteten Wiesen keine Kitze mehr erkannt werden konnten.  

Wegen der notwendigerweise geringen Flughöhe über dem Boden musste das Flugteam abschnittsweise vorgehen und viele Höhenmeter zu Fuß überwinden, um einen sicheren Flugbetrieb auf den steilen Bergwiesen zu gewährleisten. Ohne die Wärmebildtechnik wäre keines der Kitze gesehen worden.

Während der vierwöchigen Projektzeit wurden insgesamt 21 Kitze (Karte anklicken)  gefunden und vor dem Mahdtod bewahrt. Einige Bergbauern berichteten später von ihrer Erleichterung, ohne Furcht vor einer Kitzverletzung die Wiese mähen zu können.

Public Relations

RAI-Südtirol Interview

von Wolfgang Mayr | 2019

RAI Südtirol nahm mit dem Flugteam und dem Jagdrevierleiter ein Interview auf, in dem die Beteiligten über das Projekt berichteten.

Der Projekterfolg fand auch in der Öffentlichkeit positive Resonanz.

Ein Vortrag über die drohnengestützte Kitzrettung während des „public day“ auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) in Berlin fiel leider der Corona-Epidemie „zum Opfer“.

 

Leo Lanthaler, ein „Heimatfilmer“, hat das Kitzrettungsteam 2019 in Südtirol einen Tag begleitet.

Ausblick

In SÜDTIROL wollten amotys consult GmbH und das Jagdrevier Naturns 2020 die Kitzrettungs-Maßnahmen fortsetzen. Dieses Vorhaben scheiterte an den Beschränkungen durch die Corona-Pandemie. Die Vorbereitungen für 2021 sind inzwischen angelaufen und es haben sich erste Hinweise ergeben, dass wir mit finanzieller Unterstützung für die Einrichtung mehrerer Standorte in Südtirol rechnen können.

In DEUTSCHLAND beteiligen wir uns derzeit an einem Forschungsprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das zur Verbesserung der Wildtierrettungsstrategien beitragen soll.

Reduktion von Mähtod bei Rehkitzen – Wildbiologische Gefährdungskulisse und Effektivität von Detektions- und Vergrämungsmaßnahmen

Die Investitionen für Drohnensysteme mit Wärmebildkamera und auch die notwendigen Ausbildungen der Drohnenpiloten übersteigen in der Regel die finanziellen Möglichkeiten freiwilliger Helfer. Daher sind finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Mitteln oder durch die Wirtschaft und Spenden erforderlich.

In Südtirol sind steuerbefreiende Spenden über ein zweckgebundenes Konto des Jagdverbandes Südtirol möglich.

Unser erstes Kitz der Mähsaison 2020 in der Holledau in Bayern.