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Kitzrettung in Südtirol

 

Jedes Jahr sterben zahlreiche Rehkitze bei der ersten Grünlandmahd. Die Geburt der Rehkitze im Mai fällt in denselben Monat, in dem die Landwirte zum ersten Mal ihre Wiesen mähen. Die Ricken legen in dieser Zeit ihre frisch geborenen Kitze an vermeintlich geschützter Stelle, z. B. im hohen Gras einer Wiese, ab. Droht Gefahr, verharren die Kitze instinktiv tief geduckt und reglos auf dem Boden anstatt zu fliehen. Da sie dadurch nicht erkannt werden können, werden sie durch Mähmaschinen häufig schwer verletzt oder getötet. Durch „vermähte“ Rehkitze wird der Grünschnitt der betroffenen Fläche unbrauchbar.

Die Erfahrungen eines Wildretter-Forschungsprojektes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und anderer Kitzretter nutzend erprobte die amotys consult GmbH in Zusammenarbeit mit dem Jagdrevier Naturns in der ersten Mähsaison 2019 im Bereich des Jagdrevieres Naturns das Auffinden von Rehkitzen mit einer Drohne.

 

Einsatzverfahren

 

Für die Kitzrettung kam eine wärmebildtragende Yuneec H520 zum Einsatz, mit der die Wiesen, die am selben Tag gemäht werden sollten, zur Suche nach Kitzen in den frühen Morgenstunden abgeflogen wurden.

Zur Ausstattung gehören noch ein zusätzlicher Monitor, auf dem die Wärmebilder genauer als auf der Fernbedienung der Drohne analysiert werden können, und Funkgeräte zur Einweisung des Jägers.

Mit der Wärmebildkamera der Drohne können durch die Temperaturdifferenz zwischen Boden und der Felloberfläche die Kitze identifiziert werden. 

Das Fliegen im bergigen Gelände stellt besondere Anforderungen an die Drohnenflieger, da sie wegen der optischen Auflösung der Wärmebildkamera nah am Boden (max 15 m) fliegen müssen und Gefahr laufen, mit schwer erkennbaren Hindernissen wie Materialbahnkabel zu kollidieren.

Team

 

Heinz-Dieter und Andrea Meier bilden das Flugteam. Mit 6000h Flugerfahrung als Hubschrauberpilot und Fluglehrer für die Bundespolizei und im Luftrettungsdienst sowie als Berater beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Bereich Erdbeobachtung übernimmt Heinz-Dieter Meier die Flugsteuerung. 

Andrea Meier engagiert sich seit vielen Jahren für den Tierschutz und im Jagdwesen. Sie übernimmt die Bildauswertung und koordiniert die Massnahmen mit dem Jäger im Team.

Daniel Kofler ist der Jagdaufseher des Jagdreviers Naturns und unterstützt das Flugteam bei der Lagebeurteilung des Suchraumes. Er übernimmt die Abstimmungen mit den Bergbauern und ist  für die Sicherung der aufgefundenen Rehkitze verantwortlich. Der Revierleiter Florian Haller hat den Jagdaufseher für die Projektzeit abgestellt.

Basis

Ausgangsbasis für das Kitz-Rettungsprojekt war der Pirchhof www.pirchhof.it – ein Bergbauernhof auf 1445m Höhe, 8km oberhalb von Naturns. Dort oben sind alle Voraussetzungen für eine optimale Vorbereitung der Sucheinsätze vorhanden. Frische Bergluft, eine wunderschöne Aussicht und ausgezeichnetes Essen sorgen für die notwendige Entspannung vor und nach den Einsätzen.

Projektverlauf

Ab dem 19. Mai 2019 befand sich das Team auf dem Pirchhof in Südtirol und bereitet die Einsätze mit dem Jagdrevier Naturns und den beteiligten Bauern vor. Die Mähsaison verschob sich wegen des kalten Wetters um bis zu zwei Wochen. 

Diese Zeit nutzten die Kitzretter für intensive Vorbereitung und Einsatzübungen zur Einweisung in die Sicherheitsbestimmungen und zum Training der Zusammenarbeit zwischen Flugteam und Jägern. Bei der „Generalprobe“ in einer Obstplantage im Beisein des Jagdrevierleiters von Naturns, Florian Haller, fand sich überraschend das erste Kitz, das so vor Schaden durch die durchfahrenden Traktoren bewahrt werden konnte.

Ab dem 8. Juni 2019 gingen die ersten Anforderungen der Bergbauern ein. Fast jeden Tag bis zum 14. Juni 2019 stand das Rettungsteam morgens ab 04:30 Uhr an der ersten Wiese und beendete die Suche erst in der Mittagszeit, wenn durch die starke Bodenerwärmung auch auf den nach Westen ausgerichteten Wiesen keine Kitze mehr erkannt werden konnten.  

Wegen der notwendigerweise geringen Flughöhe über dem Boden musste das Flugteam abschnittsweise vorgehen und viele Höhenmeter überwinden, um einen sicheren Flugbetrieb auf den steilen Bergwiesen zu gewährleisten. Ohne die Wärmebildtechnik wäre keines der Kitze gesehen worden.

Während der vierwöchigen Projektzeit wurden insgesamt 21 Kitze (Karte anklicken)  gefunden und vor dem Mahdtod bewahrt. Einige Bergbauern berichteten später von ihrer Erleichterung, ohne Furcht vor einer Kitzverletzung die Wiese mähen zu können.

Ausblick

Das Bewusstsein in der Landwirtschaft für die Vermeidung von Rehkitz-Verletzungen oder deren Tod durch die Mahd hat offenkundig zugenommen. Die Unterstützung durch die Kitzretter mit Wärmebilddrohne haben die Bergbauern gerne angenommen.

Die amotys consult GmbH und das Jagdrevier Naturns wollen auch 2020 die Kitzrettungs-Massnahmen fortsetzen, weil sich die erprobte Vorgehensweise bewährt hat. Das Flugteam hat seine Verweildauer planerisch bereits verlängert und will 2020 auch das Schnalstal mit abdecken. 

Um noch mehr Gebiete in Südtirol mit Wärmebilddrohnen vor der ersten Mahd abzusuchen, werden aber weitere Flugsysteme und freiwillige Helfer, die sich zu Drohnenpiloten ausbilden lassen, benötigt. Für die Kitzrettung müssen die Drohnenpiloten einen italienischen Drohnenführerschein erwerben.

Die notwendigen Investitionen für Drohnensysteme mit Wärmebildkamera und auch die notwendigen Ausbildungen der Drohnenpiloten übersteigen die finanziellen Möglichkeiten freiwilliger Helfer. Staatliche Unterstützung und Spenden werden erforderlich sein.

Alle am bisherigen Projekt Beteiligten werden sich für eine entsprechende politische Unterstützung und Bereitstellung von Finanzhilfen weiter einsetzen. Erste Ideen und Konzepte für eine flächendeckende Einführung von Wärmebilddrohnen liegen vor.

 

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